Zettel's Traum

Zettel's Traum, Foto Arno Schmidt Stiftung
Zettel's Traum, Foto Arno Schmidt Stiftung

Arno Schmidts "Zettel's Traum"

"Was stünde nicht in Zettel's Traum?" fragte Arno Schmidt ebenso selbstbewusst wie selbstironisch anlässlich seines Opus Magnum, das vor 40 Jahren als Reproduktion des 1334 Seiten starken großformatigen Manuskripts erschien. Denn das Gespräch der vier Hauptfiguren dreht sich zwar hauptsächlich um Literatur und den amerikanischen Schriftsteller Edgar Allan Poe, aber damit natürlich auch um die ganze Welt: Von arabischen Göttinnen bis zum Quelle-Katalog wird nichts ausgespart. Die Protagonisten lassen sich unter anderem in Bäume, Pferde und Zigeuner verzaubern, um das Leben aus neuen Perspektiven zu erfahren. Nicht zuletzt geht es um die zarte Liebe zwischen dem alternden Erzähler Dän und dem jungen Mädchen Franziska, und um Sexualität und ihre Spielarten. Dazu entwirft Schmidt eine eigene Literaturtheorie in der Nachfolge von Sigmund Freud, die er nebenbei in eine neue Rechtschreibung umsetzt: Die Wörter zeigen ihren Nebensinn schon auf den ersten Blick.

Die komplexe Struktur des dreispaltigen Romans mit seinen zahlreichen Randglossen stellt nicht nur Herausforderungen an den Leser: "Es wird sich nicht mehr setzen lassen", befürchtete der Autor, als er sein Hauptwerk 1968 abschloss. Nun endlich ist "Zettel's Traum" als gesetztes Buch erschienen.

Die Editorin Susanne Fischer führt in den Roman ein, der Buchgestalter Friedrich Forssman erläutert die typographische Umsetzung von Schmidts Manuskript in der Neuausgabe, und Bernd Rauschenbach erläutert, wie man "Zettel’s Traum" lesen kann.

Bernd Rauschenbach lebt als Literaturwissenschaftler, Herausgeber und Autor in Eldingen bei Bargfeld. Vorstandsmitglied der Arno Schmidt Stiftung.

Friedrich Forssman, Typograph und Ausstellungsgestalter, lebt in Kassel.

Susanne Fischer ist Literaturwissenschaftlerin, Autorin und Geschäftsführerin der Arno Schmidt Stiftung.