Geissler & Sann

Geissler & Sann, "fuck the war", Video, 2006
Geissler & Sann, "fuck the war", Video, 2006

"fuck the war", Video, 3:56 min, Ton, Farbe, 2006

29. September bis 13. Novemberr 2011

Auf die verschmutzte Wand im Inneren eines verlassenen Autohauses ist in kindlicher Schrift „fuck the war“ gesprüht. Kinder sind es auch, die in Tarnkleidung und mit Spielzeug-Maschinenpistolen ausgerüstet Krieg spielen. Der Graffiti-Schriftzug, der auch den Titel der Arbeit von Beate Geissler und Oliver Sann stellt, schwebt zwischen punkigem Trotz und politischer Aussage. Ist es als eine Absage an die Kampfform der Erwachsenen zu verstehen, wenn die kleinen Jungen die Maschinenpistole gegen eine Eisenstange austauschen und nicht mehr gegeneinander kämpfen, sondern stattdessen auf eine Waschmaschine einschlagen? Die Lust an der Gewalt bleibt indessen bestehen und findet im rhythmischen Schlagen der Metallstangen eine brutale akustische Komponente. Wie das Auge der Kamera wird der Betrachter zum passiven Voyeur, der das Geschehen, das zwischen Spaß und Aggression pendelt, verfolgt. Das Bewusstsein für den kleinen Schritt vom verharmlosenden Spiel hin zur tödlichen Realität, wie sie tagtäglich in den Medien thematisiert wird, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Der Dichter und Wissenschaftler Georg Büchner stellte angesichts der in der Weltgeschichte immer wiederkehrenden Gewalttaten die beunruhigende Frage, die auch in „fuck the war latent mitschwingt: „Was ist das, was in uns lügt, hurt, stiehlt und mordet?" (Natalie Maya Nonaka)

Beate Geissler, geboren 1970 in Neuendettelsau; Oliver Sann, geboren 1968 in Düsseldorf, leben und arbeiten in Chicago

Spielsoftware, Netzspiele, Internetkunst, Fotografie, Video, Aktionen

Ausstellungen (Auswahl): 2000 Kunstverein Karlsruhe; Museum Ludwig Köln; 2001 Ars Electronica, Linz; „Trade“ Fotomuseum Winterthur; 2003 „games - computer games by artists“ hartware medien kunst verein, Dortmund; 2004 „10. Marler Video-Kunst-Preis 2002“ Kunsthalle Erfurt; „German Video Art 2000-2002“ Platform Garanti, Istanbul; „Freies Fernsehen“ Kunstverein Salzburg; 2005 „11. Marler Video-Kunst-Preis 2004“ ZKMax, München; „Videonale 10“ Kunstmuseum Bonn; „Trouble with fantasy“ Kunsthalle Nürnberg; „39. Art Cologne ART NOW 2005“ ART COLOGNE Köln; 2006 „Artgames“ Ludwig Forum, Aachen; „Digitales Forum - Think Digital“ K4 galerie, Saarbrücken; „VIDEONALE Bonn“ Mücsarnok Kunsthalle Budapest; „Playback_simulierte Wirklichkeiten“ Edith-Ruß-Haus für Medienkunst, Oldenburg; 2007 „CONTOS DIXITAIS“ CGAC Santiago de Compostela; „Videonale 11“ Kunstmuseum Bonn; 2009 „Several Silences“ Renaissance Society, Chicago; 2010 „Beate Geissler & Oliver Sann: Personal Kill“ Kunsthalle Bremerhaven; 2011 „volatile smile“ NGBK Berlin

Galerien
Galerie Ulrich Fiedler, Köln; Galerie Carol Johnssen, München