OLGA GRJASNOWA

„Der Russe ist einer, der Birken liebt“

Mascha, die Heldin in Grjasnowas Debütroman, ist jung und eigenwillig, sie ist Aserbaidschanerin, Jüdin, und wenn nötig auch Türkin und Französin. Als Immigrantin musste sie in Deutschland früh die Erfahrung der Sprachlosigkeit machen. Nun spricht sie fünf Sprachen fließend und ein paar weitere so "wie die Ballermann-Touristen Deutsch". Sie plant gerade ihre Karriere bei der UNO, als ihr Freund Elias schwer krank wird. Verzweifelt flieht sie nach Israel und wird schließlich von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt. Mit perfekter Ausgewogenheit von Tragik und Komik und mit einem bemerkenswerten Sinn für das Wesentliche erzählt Olga Grjasnowa die Geschichte einer Generation, die keine Grenzen kennt, aber auch keine Heimat hat.

Am Ende findet Mascha sich mit ihrer Identität im Spiegelkabinett. In Frankfurt ist sie eine Russin, in Israel eine Deutsche. Die Zuschreibungen bleiben jedem selbst überlassen - was ist deutsch, was israelisch, was russisch oder georgisch? „Die Russen“, sagt eine von Grjasnowas Figuren, ein Araber, sehen aus "wie Leute, die Birken lieben".

"Olga Grjasnowa trifft aus dem Stand den Nerv ihrer Generation. Zeitgeschichtlich wacher und eigensinniger als dieser Roman war lange kein deutsches Debüt." Ursula März, Die Zeit, 15.03.12

Olga Grjasnowa, geboren 1984 in Baku, Aserbaidschan; aufgewachsen im Kaukasus; 1995 Umsiedlung nach Deutschland; 2003-2006 Studium der Kunstgeschichte, Universität Göttingen; 2006-2010 Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig; längere Aufenthalte in Polen, Russland und Israel; seit 2010 Studium der der Tanzwissenschaften an der FU Berlin

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